Dante Alighieri (1265-1321) Die göttliche Komödie


Die Hölle · Der Läuterungsberg · Das Paradies · Einführung · Kurzbiografie

Einführung

Sein episches Meisterwerk La divina Commedia hatte Dante wahrscheinlich um 1307 begonnen; vollendet wurde es erst 1321, also kurz vor seinem Tod.

In atmosphärisch dichten Bildern schildert das Gedicht die aufsteigende Reise des Dichter-Ichs durch die Hölle (L'inferno), das Fegefeuer (Il purgatorio) und das Paradies (Il paradiso), die, wie Dante in einem Brief an Cangrande della Scala ausführt, "schrecklich" beginnt und "glücklich" endet.

Damit wird die grausame Inschrift des Höllentores, durch das der Dichter nach langem Zögern schließlich schreitet, um seine Reise zu beginnen ("Laßt alle Hoffnung fahren, die ihr eintretet"), vom Ende her wieder relativiert.

In jedem der drei Jenseitsreiche trifft Dante auf die Seelen Verstorbener, zumeist bedeutende Gestalten der Mythologie oder Geschichte, von denen sich jede eines bestimmten Vergehens schuldig gemacht hat oder aber eine bestimmte Tugend symbolisiert; darunter befinden sich etwa Odysseus, Judas, der befreundete Dichter Forese Donati, Petrus und Bernard von Clairvaux.

Die Strafe oder der Lohn, der den Toten jeweils zugemessen wird, verdeutlicht ihren Status innerhalb eines universellen Plans; dieser legitimiert die Allmacht Gottes und setzt das Wollen des Dichters mit dem seines Schöpfers in Eins. (Diese Idee wird durch die harmonische Struktur einschließlich einer ausgeprägten Zahlensymbolik getragen.) Dante wird von seinem Vorbild Vergil, eine Allegorie der Vernunft, durch die Hölle und den Läuterungsberg geleitet. Beatrice, die als Ausdruck und Instrument des göttlichen Willens erscheint, führt den Dichter auf seinem Himmelsflug durchs Paradies.

Jeder Abschnitt der Divina Commedia besteht aus 33 Gesängen, mit Ausnahme des ersten, der einen zusätzlichen, als allgemeine Einführung dienenden Gesang enthält. So ergibt sich eine Gesamtzahl von 100 Gesängen. Das 14 233 Verse umfassende Gedicht ist in Terzinen (terza rima) verfasst, dreizeiligen Strophen mit dem Reimschema aba, bcb, cdc etc. (siehe Verslehre).

Dante schrieb das Gedicht in italienischer Volkssprache statt im Latein der Gelehrten. Deshalb nannte er sein Werk La Commedia (Die Komödie), um den nationalsprachlichen Charakter des Geschriebenen zu betonen und in Anlehnung an die Ars poetica des Horaz darauf hinzuweisen, dass sich das Gedicht durch alle Höhen und (komischen) Niederungen auch des Stils bewegt. Das Adjektiv divina (göttlich) wurde dem Titel erst in der von Lodovico Dolce edierten und bei Gabriel Giolto verlegten Ausgabe aus dem Jahr 1555 (La divina Commedia di Dante) beigefügt.

Als poetische Dramatisierung der Theologie des Mittelalters, namentlich der Scholastik mit ihrer Idee des ptolemäischen Weltbilds, ist es von überragendem zeitgeschichtlichem Wert; doch gerade jenseits dieses rein historisch interessanten Bezugsrahmens gehört Dantes lyrisches Epos, das auch allgemein als Schilderung vom mystischen Aufstieg des Menschen zu höherer Erkenntnis gedeutet werden kann, zu den wichtigsten Werken der Weltliteratur. Von der Commedia ist kein Autograph erhalten; die älteste der 450 Handschriften des Textes stammt aus dem Jahr 1350.

Quelle:

"Dante Alighieri," Microsoft® Encarta® Online Encyclopedia 2001 http://encarta.msn.com © 1997-2001 Microsoft Corporation. All rights reserved.